Berauscht von Licht und Klang
1500 Besucher lassen sich am Freitag im Dom von Jan Bilk und Tomas Nawka alias „SERVI“ verzaubern
Sächsische Zeitung - von Crista Vogel
Wann kamen je so viele Menschen in den Bautzener Dom St. Petri wie am Freitagabend? Da brachen Simultangrenzen auf, bekamen Seele und Gefühl eine Stimme. „SERVI“ und Gäste waren großartig angekündigt worden. Jan Bilk und Tomas Nawka alias „SERVI“ haben hier ihre sorbischen Wurzeln und begannen 1975 als „Servi pacis“ zu musizieren. Inzwischen gehören zahlreiche Syntheziser und Sprachcomputer, eine 90 000 Watt starke Lichtanlage und 20 Tonnen Technik zur multimedialen Performance-Show des SERVI-Projekts „Meditatio in Variatione“. Mit ihnen kamen als musizierende Gäste: Carolina Eyck (Violine, Thereminvox), Roman Eyck (Violine) und Arndt-Werner-Bethke (verschiedene Gitarren).
Diffuses Dunkel herrschte im Kirchenhaus, dessen simultane Zweisamkeit aufgelöst schien. Sphärischer Sound und Vokalisen hüllen die Besucher ein. Stille herrscht, als die Geschwister Roman und Carolina Eyck ihre einfühlsame Geigenweise spielen. „Wir gratulieren mit 1000 Tönen und Farben der Stadt Bautzen“ erklingt es im Glockengeläut. Warmes Rot taucht den Dom in Freundlichkeit. Diaprojektionen geben Blicke in eine friedvolle Natur frei, wandeln sich zu Sonnenaufgängen und leuchtend blühenden Rapsfeldern, lassen Menschen das Meer bewundern.
„Meeresblicke“ klingen zur Bildidylle auf, die von feinnervigen Aquarellen bekräftigt wird. Rhythmus lebt auf. Violette Spots steigen ins Kircheschiff, rollen wie Räder durch die Luft. „Komm! komm! komm! fordert rhythmisch der Sprachcomputer. Knappe Texte werden eingesprochen. Das Publikum berauscht sich an Klang und Licht, das sich dem Rhythmus anpasst, mit ihm tanzt oder in weichen Melodiebögen schwebt und schwingt.
Konzert- und Jazzgitarrist Arndt-Werner Bethke bezaubert mit einer liedhaften Weise, die zu Virtuosität und Größe wächst. Bald erklingt Kinderlachen, Kinderporträts blenden sich ein, zeigen Familienfreuden. Da jubeln sogar einige Publikumskinder auf, freuen sich über tanzende Lichteffekte, die wie Spielzeuge wirken.
Die 14-jährige Carolina spielt auf dem beeindruckenden Thereminvox, dem um 1920 von Lev Thermen in Russland erfundenen ersten elektronischen Instrument. Und wenn man einen guten Seh- und Hörplatz erstanden hat, dann stimmt die Faszination: Musik aus der Luft. Wie ein hölzernes Möbelstück wirkend, werden am Thereminvox die Töne mit Hilfe von zwei Antennen und Magnetfeldern durch Bewegungen der Hände in der Luft erzeugt. Wer dazu noch die CD „Meditatio in Variatione“ erstand, kann Solivox als mystisches Wunderwerk im trauten Heim erleben.
Schön, dass neben virtuos bedienter Technik die Live-Musik zu Ton kommt und die Melodik dominiert, dass Schlagwerk und Sprache die Elektronik würzen und kunstreiches Musizieren Trumpf ist. Und wenn Stücke wie „Farbspiele“ oder „Wjecor“ erklingen, dann blühen blaue Steine auf, wird der Atem der Musik hörbar, wird der Alltag weich. Dann berauscht sich die Psyche am Klang, an Lyrik von Jakub Bart-Cisinski oder Handrij Zejler, an Silberglockenspiel und gezaubertem Sternenfirmament am Domhimmel. Sie nimmt auch den scharfen Aufschrei der Bässe ernst, bewundert eingeblendete Altersporträts ebenso wie die außergewöhnliche Musikshow, die gegen Ende rhythmisch geschickt einmischt und so zu fulminanter Größe wächst.
Das erfreulich gemischte Publikum – es kamen 1500 Besucher – zollt dem multimedialen Erlebnis herzlichen Beifall. Und so sind die feinsinnigen Zugaben beeindruckendes Medium, das gefangen nimmt, Fantasie freisetzt und die Seele schwingen lässt.

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