Sterne in der Kirche
Eine multimediale Vorstellung mit Lichtern und elektronischer Musik
Märkische Allgemeine Zeitung
Eng zusammenrücken, hieß es in der St. Moritz-Kirche am Samstagabend, auf Kirchenbänken, auf Gartenstühlen, auf dem Fußboden. Dennoch fanden nicht alle Platz, die gekommen waren, um die multimediale Performance der Band „Servi“ zu erleben.
Die Bühne vor dem Altar glich zu Konzertbeginn einer bergigen Schneelandschaft. Musiker, Instrumente, Technik waren von einem riesigen, weißen Seidentuch verhüllt. Abstrakte Farbkompositionen wurden auf das Weiß projiziert, sphärische Klänge erfüllten den Raum. Der Vorhang wurde gelüftet, zu sehen waren die beiden Hauptakteure des außergewöhnlichen Konzerts: Jan Bilk und Tomas Nawka mit ihren zahlreichen Synthesizern und Sprachcomputern. Musik, harmorisch und sanft, suggerierte eine meditative Stimmung.
Auf der Lamellenleinwand vor dem Altar traten Landschaftsaufnahmen und Porträts in einen Dialog mit den elektronischen Klängen, mit den Zuhschaurern. Oft überlagerten sich die Motive, schienen beispielsweise Bauarbeiter auf einem Stahlbetonfundament den alten Ziegeldächern des vorherigen Fotos entstiegen zu sein. Immer wieder wurde zwischen den Dias der Blick auf den spätgotischen Altar frei gegeben und durch das Licht die Aufmerksamkeit auf Details gelenkt.
Worte flossen in die Musik und in die Bilder ein. Rilkes Herbsttag oder ein Spruch aus dem alten Testament regten auf der Wand eines Heizkraftwerkes zum Reflektieren an. Die 20-Tonnen schwere Technik, die 90 000 Watt-Lichtanlage, die vielen Lüftungsschläuche für die Scheinwerfer in der Kirche waren vergessen.
Der melodisch gewebte Klangteppich wurde von einer Lichtshow eingefärbt. Grüne Spiralen, rote Kreise wanderten über die Bühne, über die Kreuzgewölbe. Sterne, bunt wie Konfetti, streuten sich über Wände und Pfeiler. Uta Eyck war dafür verantwortlich. Ihre Kinder Carolina und Roman Eyck begleiteten die Servi-Musiker auf der Geige. Am „Thereminvox“ schien Carolina die Töne aus der Luft zu greifen. Das an ein Möbelstück erinnernde, erste elektronische Musikinstrument wurde 1920 von einem Russen erfunden. Mit Hilfe von Magnetfeldern, die durch Körperbewegungen verändert werden, erzeugte das junge Mädchen unwirkliche, phantastische Töne. Arndt-Werner Bethke fügte mit seinem virtuosen Gitarrenspiel den Synthesizern eine weitere Dimension hinzu. Servis moderne Show zeigte den sakralen Raum in einem neuen Licht. Das 90-minütige Konzert verdichtete sich zu einem einzigen Höhepunkt. Die Besucher unternahmen von Ton zu Ton, von Bild zu Bild, eine innere Reise. Ein „Sendungsbewusstsein“, wie Tomas Nawka es ausdrückte, sei nicht auszuschließen, aber nicht vordergründig. Diese Offenheit machte das multimediale Reisen auch für Zuhörer ohne Glauben spannend. Für Ulf Ender aus Mittenwalde war es Balsam für die Seele. Wolfgang Giller, der seine Eintrittskarte bei der Tombola des Mittenwalder Kirchsommerfestes gewonnen hatte, sprach von einem großartigen Erlebnis. „Ich bin gerührt“, stellte der Berliner fest.

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