27.09.2000
Brandenburger Wochenblatt
zum Konzert am 24.09.2000 in Rathenow, St. Marien-Andreas-Kirche

"Multi-Media" - Show in der St.-Marien-Andreas-Kirche
Stimmungsvoller Auftakt der Interkulturellen Woche im Havelland

Interessante Lichteffekte und atemlose Klangbilder beeindruckten das Publikum beim SERVI-Konzert in der Rathenower St. Marien-Andreas-Kirche.

Rathenow: Fast zwei Tage Aufbau für ein ungewöhnliches Konzert: In der Rathenower St.-Marien-Andreas-Kirche wurden am Wochenende 20 Tonnen Technik "vom Feinsten" installiert. Sechs Musik- und Sprachcomputer sollten die Steuerung einer 80.000 Watt-Lichtanlage einschließlich Projektionstechnik übernehmen und den Sound von 23 Synthesizern in 5-Kanal-Raumklang umsetzen.
Gut dreißig Helfer hatten zu tun, doch als das Konzert zum Auftakt der Aktionswoche für Toleranz und ein interkulturelles Miteinander am Sonntag Abend begann, standen nur zwei Musiker auf der Bühne vor den neuen Chorfenstern.

Jan Bilk und Tomas Nawka, zwei Lausitzer Musiker und Visualisten, haben das "SERVI"-Projekt 1975 ins Leben gerufen, zu einer High-Tech-Show der Superlative entwickelt und "spielen" noch immer zusammen. Hinter "SERVI" verbirgt sich meditative Musik, gekoppelt mit Licht- und Diaprojektionen - ein normalerweise gut einstündiges Konzert (in Rathenow waren es schließlich fast zwei) irgendwo zwischen Rockkonzert und Gottesdienst.

Dicht gedrängt saßen die Besucher - unter ihnen zahlreiche ausländische Mitbürger - in der Kirche, lauschten atemlos den Klängen, der "Meditatio in Variatione" und verfolgten fasziniert die wechselnden Bilder, die Strahlen- und Lichtfiguren, die den Raum in ganz anderer Dimension erscheinen ließen. Schon die ersten Töne ließen da den Technik-Wald zwischen den Zuschauern völlig vergessen. Mit eindringlicher Stimme wurden Bilder von Mitmenschen kommentiert und das freundliche "Du" stand einen Abend lang fast befreiend im Raum. Wer sich auf die Musik wirklich einließ, der durchlebte während des Konzertes aber nicht nur fröhlich-beglückende und freundliche Momente. Nawka und Bilk verstanden es genauso hervorragend, mit ihrer synthetischen Musik das Innere zu bewegen, Stimmungen bis hin zu Schmerz und Betroffenheit zu erzeugen. Nach der kaum weniger ergreifenden Unterstützung durch die junge Moskauer Thereminvox-Spielerin Carolina Eyck gipfelte das Konzert in einem temperamentvoll-rockigem Finale. Doch ohne Zugaben entließ das begeistert-angerührte Publikum die Musiker nicht. (...)

(Autor: Bernhardt Rengert)

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